Wo der Siegeszug der Photovoltaik begann

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Hans-Josef Fell, Initiator der Hammelburger Solarstromgesellschaft und Autor des EEG 2000. Von 1998 bis 2013 Abgeordneter im Deutschen Bundestag für Bündnis 90 / Die Grünen. Foto: Energy Watch Group / Therese Aufschlager

Nach eigenen Angaben war die Hammelburger Solarstromgesellschaft (HSG) die erste Betreibergesellschaft für Solarstromanlagen weltweit. Seit zwanzig Jahren liefern die in den Jahren 1994 und 1995 gebauten PV-Anlagen inzwischen verlässlich Strom und belegen die lange Lebensdauer dieser Anlagen.

Hans-Josef Fell, solarer Überzeugungstäter und damals engagierter Kommunalpolitiker in der unterfränkischen Kleinstadt, initiierte die Gründung der HSG, um „nachzuweisen, dass das Prinzip der kostendeckenden Solarstromvergütung genügend privates Kapital anzieht, um die damals noch sehr teure Solarstromproduktion in den Markt einzuführen.“ Zuvor war es ihm gelungen, dass Hammelburg als erste Kommune in Deutschland das im Aachener Solarenergie-Förderverein entwickelte Fördermodell der kostendeckenden Vergütung in die Praxis umsetzt.

Wenige Jahre später gelang ihm das gleiche als Abgeordneten im Deutschen Bundestag, wo Fell das Prinzip der kostendeckenden Vergütung im Jahr 2000 in seinen Entwurf für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schrieb. Viele Länder weltweit haben vom deutschen Vergütungssystem gelernt, was auch dem unermüdlichen Werben Fells auf seinen Reisen als Abgeordneter zurückzuführen ist, unter anderem nach Asien: „Inzwischen nutzt auch China das Prinzip der in Hammelburg erstmals angewandten kostendeckenden Vergütung und ist damit zum Weltmarktführer aufgestiegen“, so Fell. „China hat mit 14.000 Megawatt neu installierter Photovoltaik-Leistung im Jahr 2013 inzwischen Deutschland und die EU weit hinter sich gelassen. Leider hat die Politik von CDU/CSU wie SPD seit Jahren mit mehreren Novellen des EEG die heimische Solarwirtschaft derart massiv unter Druck gesetzt, dass der Ausbau der Photovoltaik stark zurück gegangen ist, weshalb viele Insolvenzen und Arbeitsplatzverluste zu beklagen sind.“

Zugleich hat sich mit Hilfe fester Einspeisevergütungen die Photovoltaik weltweit zur kostengünstigen Stromerzeugung entwickelt. Im Vergleich zu neuen Kohle- Atom- oder Gaskraftwerken ist heute der Solar- und Windstrom meist günstiger als die klimaschädliche Stromerzeugung großer Kraftwerke.

Nach 20 Jahren erfolgreicher Betriebsdauer seien die ersten Photovoltaik-Anlagen der Hammelburger Solarstromgesellschaft im August 2014 in den Besitz der Dacheigentümer übergegangen. Die Dacheigner hatten auf einen Mietzins verzichtet und erhalten nun als Gegenleistung, wie vertraglich vereinbart, die Photovoltaik-Anlagen der Hammelburger Solarstromgesellschaft übereignet.

Die Dacheigner erhalten damit noch bis Ende 2020 eine Einspeisevergütung nach dem EEG, also etwa 50 Cent pro Kilowattstunde. Für vor dem Jahr 2000 errichtete Altanlagen wurde nämlich im damals beschlossenen EEG das Inbetriebnahmejahr 2000 angesetzt.

Rückblickend hat sich für alle Beteiligten das mit anfänglich hohem finanziellem Risiko verbundene Investment gelohnt. Für ihre Gesellschafter konnte die HSG jährlich knapp 5 Prozent Rendite erwirtschaften. Bei Installation der Anlagen wussten die fast 70 Gesellschafter aber nicht, ob sie ihre Einlage von damals mindestens 2.000 DM überhaupt zurück bekommen werden, da die rechtliche Zulässigkeit der Hammelburger Einspeisevergütung strittig war. Nach langem Kampf wurde sie erst 1996 vom bayerischen Wirtschaftsministerium genehmigt.

Autor: Thomas Seltmann

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