Erneuerbare kostengünstig und umweltfreundlich

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Stromerzeugungskosten der verschiedenen Erzeugungsarten in neuen Kraftwerke im Jahr 2012 (zum Vergrößern anklicken). Quelle: EU-Kommission / Ecofys (siehe Link zur Studie im Text)

Eine im Auftrag der EU-Kommission erarbeitete Studie zu den Kosten und Subventionen verschiedener Energieträger zeigt, wie günstig Erneuerbare Energien geworden sind.

Der deutsche EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatte das Beratungsunternehmen Ecofys beauftragt, die Kosten der Energieerzeugung ohne staatliche Eingriffe zu errechnen. Danach liegt der reine Erzeugungspreis neuer Kraftwerke für Strom aus Steinkohle bei 7,5 Cent pro Kilowattstunde, der für Atomstrom und Strom aus Gaskraftwerken bei 10 Cent. Windstrom kostete im Jahr 2012, auf das sich die Studie bezieht, nur 8 Cent und Solarstrom nur 10 bis 12 Cent pro Kilowattstunde und damit kaum mehr als aus konventionellen Kraftwerken.

Auch die externen Kosten für Umwelt- und Gesundheitsschäden wurden beziffert. Sie verteuern vor allem die konventionellen Energieträger: Kohle verursacht 8 bis 10 Cent Folgekosten, Erdgas rund 4 Cent und bei der Atomenergie wird mit 2 Cent kalkuliert. Dabei kommt die deutsche Versicherungswirtschaft in einer Studie auf 14 Cent beim Atomstrom und bei der Kohle wurden die verschenkten Verschmutzungszertifikate  aus dem CO2-Emissionshandel nicht berücksichtigt.

Unter den Erneuerbaren erzeugt die Windkraft laut Studie kaum Folgekosten: Bei der Biomasse werden 2,5 Cent je Kilowattstunde genannt, die Solarenergie mit 2 Cent angegeben.

Insgesamt beziffert die Studie die von den Bürgern indirekt bezahlten Folgekosten der fossilen Energien und Atomkraft auf 150 bis 310 Milliarden Euro allein im Jahr 2012. Demgegenüber förderten die EU-Staaten die Erneuerbaren nur mit 41 Milliarden Euro. Die fossilen und die Atomkraft erhielten obendrein über 20 Milliarden Euro Subventionen und zusätzliche wurde der Energieverbrauch mit 27 Milliarden Euro gefördert.

Die Studie ist in englischer Sprache hier zum Download verfügbar.

Dass die Erneuerbaren trotz höherem Materialeinsatz die umweltfreundlichere Alternative bleiben, zeigt außerdem eine Studie der Forscher Thomas Gibo, Edgar Hertwich und Kollegen von der Universität Trondheim. Die Norweger hatten  den Einsatz von Rohstoffen wie Kupfer, Eisen, Aluminium und Beton bei Windkraft- und Solaranlagen untersucht und beispielsweise mit Kohle- und Gaskraftwerken verglichen.

Die Umweltbilanz fällt dabei trotz höherem Materialeinsatz für die Erneuerbaren deutlich besser aus, sagen die Forscher: „Die Umweltverschmutzung, die durch den größeren Materialbedarf dieser Technologien verursacht wird, ist klein im Vergleich zu den direkten Emissionen von Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen."

Nach ihren Berechnungen benötigen Photovoltaikanlagen bis zu 40 Mal mehr Kupfer als fossile Kraftwerke mit der gleichen Leistung. Bei Windrädern liegt der Eisenverbrauch derzeit um den Faktor 14 höher als konventionell. Aber mit nur zwei derzeitige Jahresproduktionen Kupfer und einer Jahresproduktion Eisen ließen sich genug Windkraft- und Solaranlagen bauen, um im Jahr 2050 den gesamten weltweit benötigten Strom zu gewinnen.

Die Studie ist hier zum Download verfügbar.

Außerdem gibt es einen ausführlichen Beitrag zu den Ergebnissen der Studie in der Onlineausgabe der Wirtschaftswoche.

Autor: Thomas Seltmann

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