Solaranlagen unfallfrei montieren

| Anwendung & Technik

Auch Bauherren sollten darauf achten, dass Monteure auf dem Dach Leib und Leben schützen. Praktische Hilfe dabei leisten die Berufsgenossenschaften. Foto: BG ETEM

Dacharbeiten sind nicht ungefährlich. Jedes Jahr passieren schwere Unfälle. Auch der Bauherr trägt Verantwortung. Interview mit Peter Sasse von der Berufsgenossenschaft BG ETEM.

Mit Peter Sasse aus der Abteilung Prävention der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) sprach das Magazin des Photovoltaikforums über die Pflichten der Installationsbetriebe, das Verletzungsrisiko zu mindern. Aber auch über die Konsequenzen, wenn ein Verstoß gegen Sicherheitsvorschriften entdeckt wird und welchen Einfluss der Auftraggeber und künftige Betreiber einer Photovoltaikanlage hat, dass es bei der Errichtung möglichst zu keinen Unfällen kommt.

Magazin: Wie viele Arbeitsunfälle registrieren Sie beim Bau von Photovoltaikanlagen?

Peter Sasse: Die BG ETEM verzeichnet keine dramatisch hohe Unfallzahlen, es waren bis zu 123 Unfälle im Jahr – beispielsweise im Jahre 2012. Es ist aber weniger die Anzahl der Unfälle, die uns seither Sorgen macht, als die Schwere. Pro Jahr haben wir drei bis sieben Querschnittslähmungen oder tödliche Unfälle. Schwere Unfälle verursachen natürlich menschliches Leid und sie kosten viel Geld. Es gilt, diese Unfälle durch Prävention zu verhüten.

Magazin: Was sind die Ursachen für die Unfälle?

Sasse: Die Ursache liegt darin, dass der Eigentümer oder Investor versucht, das Angebot eines Unternehmers über Preisvergleich nach unten zu drücken. Und es liegt darin begründet, dass sich der Anbieter möglicherweise nicht im Detail um Absturzsicherungsmaßnahmen wie die Einrüstung des Gebäudes oder die Absicherung von Lichtkuppen gekümmert hat. Die meisten Monteure brechen durch nicht begehbare Bauteile durch. Um so etwas zu verhindern, verlangt das Arbeitsschutzgesetz, dass der Arbeitgeber die notwendigen Maßnahmen dagegen zu ergreifen hat.

Magazin: Worauf ist bei der Errichtung von PV-Anlagen auf Dächern sicherheitstechnisch zu achten?

Sasse: Erstens auf die intensive Betrachtung des Objektes, möglicherweise unter Zuhilfenahme der Angaben des Hausbesitzers bezüglich Statik, Dacheindeckung, Belastung. Es werden so banale Dinge nicht beachtet wie beispielsweise die Punktbelastung der Dachfläche. Statt dessen wird fälschlicherweise die Flächenbelastung für die Schneebelastung zugrunde gelegt. Und dann haben wir den Einbruch oder im schlimmsten Fall den Durchbruch durch die Dachfläche.

„Die Gerüstkosten sind unabdingbarer Bestandteil des Angebotes“

Magazin: Haben die Auftraggeber darauf Einfluss, dass die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden?

Sasse: Ja. Es ist eine Auswahlverantwortung gegeben – der Auftraggeber wählt die Fachfirma auf Grundlage von Angeboten aus. Jetzt kann der ein oder andere sagen, wenn staatliche Stellen nachher die Schuldfrage stellen: „Davon habe ich keine Kenntnisse. Ich verlasse mich darauf, dass die Anlage sach- und fachgerecht von der Firma errichtet wird.“ Es ist aber notwendig, dass die Gerüst- und Absicherungskosten zum Beispiel für ein Dachfanggerüst im Angebot ausgewiesen sind und mit dem Kunden durchgesprochen werden. Die Gerüstkosten sind unabdingbarer Bestandteil des Angebotes.

Magazin: Angenommen es wird auf einem Dach ohne Sicherheitsvorkehrungen gearbeitet. Dem Auftraggeber fällt es auch auf und es passiert ein Unfall. Inwieweit geht er ein Risiko ein, wenn er den Anbieter nicht dazu drängt, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen?

Sasse: Der Auftraggeber geht möglicherweise ein Risiko ein. Aber das ist keine Sache, die die Berufsgenossenschaft betrifft, sondern die Staatsanwaltschaft entscheidet. Jeder Einzelfall ist hier in der Schuldfrage anders gelagert.

Magazin: Wenn ich Architekt bin, dann kann man mir unterstellen, dass mir das klar ist?

Sasse: Ja, von einem Architekten oder jemandem mit baufachlichen Kenntnissen kann man das erwarten. Aber wenn es sich um einen Kaufmann oder ältere Mitbürger handelt, muss man sich auf die Fachfirma verlassen können.

Magazin: Um den Nachwuchs zu schulen, bieten Sie Infomaterial an.

Sasse: Wir haben CDs und Materialien zur ergänzenden Gefährdungsbeurteilungen für Bau- und Montagestellen. Darüber hinaus haben wir ein Programm (auch zum Download), das sich Solartool nennt und sich in erster Linie mit Absicherungsmaßnahmen von Gebäuden beschäftigt. Diese Wenn in der Angebotsphase die Daten des Objekts zur Verfügung stehen, benötigt man maximal 20 Minuten, um zu sehen, was an diesem Objekt notwendig wird

Magazin: Ihre Angebote sind kostenlos, richtig?

Sasse: Es ist alles kostenlos. Einschließlich der Schulungen für Fachbetriebe in unserer Schulungsstätte in Dresden, aber nicht nur bei der BG ETEM, sondern auch bei anderen Berufsgenossenschaften. Es sind Schulungen nicht nur in Theorie, sondern auch in Praxis.

Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ines Rutschmann. Hier veröffentlicht ist mit freundlicher Genehmigung des Photovoltaikforums eine stark gekürzte Fassung des ausführlichen Interviews, das ursprünglich hier im Magazin von photovoltaikforum.com erschienen ist.

Praxishilfe der Berufsgenossenschaft für Solaranlagen hier zum Download.

Weitere Informationen zum Arbeitsschutz bei der Errichtung von Photovoltaikanlagen sind auf der Internetseite der BG ETEM kostenlos abzurufen. Hinweise zu Seminaren und Schulungen finden sich dort ebenfalls.

Autor: Ines Rutschmann (bearbeitet von Thomas Seltmann)

 

Zurück